88vier wird frei - Deutliche Sendezeiterweiterung in Berlin zum 1. Oktober 2016

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Freies Radio aus Berlin und Potsdam werktags von morgens bis abends - statt 49 jetzt mit 95 Wochenstunden - das könnte schon bald Realität sein. Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat in seiner Sitzung am 14. September 2016 eine neue Sendezeitenverteilung für die Frequenzen 88,4 MHz (Berlin) und 90,7 MHz (Potsdam) beschlossen. Eine Grundfinanzierung bleibt den Initiativen aber weiter verwehrt.

Ab 1. Oktober 2016 kann das BFR-Mitgliedsradio Pi Radio als Verbund zusammen mit den Partnern Colaboradio, Frrapo und Studio Ansage von Montag bis Freitag jeweils von 6:00 Uhr früh bis nachts 1:00 Uhr auf Sendung gehen. Bisher standen den vier Gruppen lediglich 49 Stunden pro Woche zur Verfügung. Möglich wurde das durch den Wechsel des von der mabb betriebenen Offenen Kanals ALEX auf die Berliner UKW-Frequenz 91,0 MHz. Nach Angaben der mabb hatte der Medienrat die zugelassenen 88vier-Veranstalter aufgefordert, gemeinschaftlich eine neue Programmstruktur für die 88vier zu entwickeln. 

In der mabb-Mitteilung heißt es weiter:

Zukünftig senden die freien Radiogruppen Colaboradio, Freies Radio Potsdam, Studio Ansage und Pi Radio nun in einem gemeinschaftlichen Pi Radio-Verbund jeweils montags bis freitags ab 6:00 Uhr. Das Berliner Webradio BLN.FM setzt in den Nachtstunden von Montag bis Sonntag auf elektronische Musik und am Wochenende senden Ohrfunk, radiomobil und reboot.fm.

„Wir haben den freien und nichtkommerziellen Radioinitiativen der Region die Möglichkeit gegeben, die Sendezeiten selbstständig untereinander aufzuteilen und ihr Programm noch flexibler als bisher zu gestalten“, so Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer, Vorsitzender des Medienrats der mabb. „Es freut uns, dass sie dieses Angebot wahrgenommen haben. Ab dem 1. Oktober 2016 werden sie nun mehr Raum für ihre Inhalte haben und der kontinuierliche Sendebetrieb auf der 88vier ist sichergestellt“

Der Offene Kanal ALEX hatte bisher 73 Wochenstunden auf UKW zur Verfügung und wird als Einrichtung der Medienanstalt komplett aus Rundfunkgebühren finanziert. Die Freien Radioinitiativen erhalten hingegen bislang keine Grundförderung und fordern deshalb bereits seit mehr als einem Jahrzehnt eine Gesetzänderung. Damit in Berlin-Brandenburg nichtkommerzielles Lokalradio (NKL) gefördert werden kann, bedarf es einer Anpassung des Medienstaatsvertrags der beiden Länder. Der Berliner Senat sprach sich bereits 2005 dafür aus, es fehlte allerdings die Zustimmung Brandenburgs. In diesem Jahr hatte sich der Berliner Senat erneut für eine Förderung ausgesprochen. Im Brandenburger Landtag gab es daraufhin im Frühjahr diesen Jahres eine erste Debatte.